Die Thüringer Polizei stellt sich dabei der nicht einfachen Geschichte dieses historischen Ortes: Das monumentale Gebäude wurde von 1937 bis 1939 als Erweiterungsbau für das am Domplatz gelegene Amts- und Landgericht errichtet. Der Architekt Wilhelm Pook baute es in überwiegend neobarockem Stil, es ist architektonisch ein typischer Vertreter preußischer Staatsarchitektur im Nationalsozialismus. Ab 1948 wurde das Gebäude als Wirtschaftsministerium des Landes Thüringen, ab 1952 von der Volkspolizei und ab Ende der 1950er Jahre als Bezirksverwaltung Erfurt des Ministeriums für Staatssicherheit genutzt. Seit 1990 ist es Sitz der Landespolizeidirektion Thüringen und der Polizeidirektion Erfurt.
Die Sanierungsarbeiten bei diesem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude waren immens: Von A wie Abdichtungsarbeiten bis Z wie Zimmermannsarbeiten, bei den Fenstern, Türen, Fußböden, Heizung, Strom und Datentechnik mussten sich die Gewerke genau absprechen. Sanieren im Bestand schont Ressourcen und integriert Geschichte, ist aber besonders anspruchsvoll.
Im kommenden Jahr werden die Bauleistungen im Hauptgebäude fertiggestellt, so dass 2027 die Landespolizeidirektion in ihr Gebäude zurückziehen kann.
Minister Schütz macht in seiner Rede auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: „Der hiesige Standort ist noch viel mehr als eine gute Adresse für systemrelevante Polizeiarbeit. In direkter Nachbarschaft hat die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße ihren Sitz. Hier ist der historische Ort, an dem am 4. Dezember 1989 DDR-weit die erste Stasizentrale besetzt wurde. Das war ein wesentlicher Schritt Richtung stabile Rechtsstaatlichkeit. Die direkte Nachbarschaft zu einem Ort, der sowohl Machtmissbrauch als auch mutige Ermächtigung zum Rechtsstaat zeigt, könnte besser nicht sein – sie belegt eindrücklich: Wir sind gut beraten, wenn wir unsere Polizei als Wachen über Verfassungstreue und Rechtsstaatlichkeit nicht nur mit Worten, sondern ebenso mit modernsten und zukunftsweisenden Arbeitsbedingungen würdigen.“
Neben Minister Steffen Schütz und Innenminister Georg Maier ist Oberbürgermeister Andreas Horn, der Präsident der Landespolizeidirektion Thomas Quittenbaum, der Präsident des Thüringer Landesamtes für Bau und Verkehr Hans-Karl Rippel, der Leiter der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße Jochen Voit, die Polizeibediensteten, Architekten, Planer, Bauleute und Handwerker auf der Baustelle anwesend. Musikalisch wird das Knopffest vom Polizeimusikorchester begleitet.
Hintergründe:
Ein Knopffest ist das traditionelle Fest zur Vollendung von Sanierungsarbeiten von historischen Gebäuden, die über einen Turm mit einer Turmkugel verfügen – es ist analog zum Richtfest ein ganz besonderes Ereignis auf der Baustelle. Zum heutigen Knopffest in der LPD Erfurt wurde feierlich eine Kapsel mit zeithistorischen Dokumenten befüllt, die dann in die Turmkugel (Knopf) eingelegt wurde.
Die Grundsanierung der Landespolizeidirektion Erfurt ist eine von mehreren Großinvestitionen in moderne Arbeitsbedingungen für die Thüringer Polizei. Ebenso werden zum Beispiel in die Polizeiinspektionen in Schleiz und Nordhausen, sowie in das Landeskriminalamt Am Schwemmbach und in den Polizeibildungscampus 2030 in Meiningen erhebliche Mittel investiert.

