„Wir müssen auf Extremwettersituationen wie Starkregen besser vorbereitet sein. Es gilt, verheerende Überflutungen bestmöglich zu verhindern und die Schäden so klein wie möglich zu halten. Die Unternehmensflurbereinigung ist dafür ein ausgewogenes Werkzeug im Baukasten der Landentwicklung, welches für derartige Vorhaben erstmalig zum Einsatz kommt. Es ermöglicht neben dem Hochwasserschutz auch Konfliktlösungen und Investitionen in die Infrastruktur, wie zum Beispiel den Bau von Radwegen. Die Unternehmensflurbereinigung bietet Sicherheit und ist Gewinn für die Region“, sagt Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij.
2013 erfuhr die Gemeinde Walschleben (Landkreis Sömmerda) bundesweit mediale Aufmerksamkeit: Nach tagelangem Starkregen war der Pegel am Unterlauf der Gera so stark angestiegen, dass die alten Hochwasserschutzdämme zu brechen drohten. Nur durch den unermüdlichen Einsatz von Einsatzkräften und freiwilligen Helfer:innen und einer gehörigen Portion Glück war es gelungen, einen Dammbruch und eine großflächige Überflutung zu verhindern. Thüringenweit hatte dieses verheerende Hochwasser Schäden von über 450 Mio. Euro verursacht. Anschließende Untersuchungen im Hochwasserschutzkonzept „Nördliche Gera“ haben aufgezeigt, dass das vorhandene Deichsystem erhebliche Defizite aufweist.
Am 23. November 2023 wurde das Flurbereinigungsverfahren Walschleben eingeleitet. Im Rahmen des Verfahrens werden die Flächen für die Hochwasserschutzmaßnahmen bereitgestellt, die Eigentumsverhältnisse neu geregelt, die ländliche Infrastruktur verbessert und Landnutzungskonflikte gelöst.
Präsident Köhler erläutert: „Der Hochwasserschutz ist für die betroffenen Gemeinden von immensem Interesse, damit sich Gefahrensituationen wie im Jahr 2013 nicht wiederholen und zukünftig Überflutungsschäden verhindert werden. Für die Akzeptanz ist es aber enorm wichtig, den von den Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz betroffenen Grundstückseigentümern und Bewirtschaftern einen gerechten Ausgleich anzubieten. Unser Angebot hierfür heißt Flurbereinigung! Damit wird nicht nur das Eigentum neu geordnet. Durch die zusätzlich möglichen Investitionen in die ländliche Infrastruktur wie multifunktionale Wege oder landespflegerische Anlagen ist es eine große Chance auf Attraktivitätssteigerung der ganzen Region.“
Hintergrundinformationen zur Flurbereinigung Walschleben-Gera:
Verfahrensart: § 87 Flurbereinigungsgesetz (FlurbG)
Projekt: Hochwasserschutz an der Gera
Unternehmensträger: Thüringer Landgesellschaft mbH im Auftrag des Freistaats Thüringen
Verfahrensfläche: 1.043 ha
Anzahl Flurstücke: 2.315
Vorhaben:
Die geplanten Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes an der nördlichen Gera verfolgen die Zielstellung, ein funktions- und standsicheres Hochwasserschutzsystem zu schaffen, welches die Siedlungsgebiete bis zu einem Hochwasser HQ100 sicher vor Überflutungen schützt und auch den vorhandenen Gewerbe- und Industrieobjekten, Infrastruktureinrichtungen, den landwirtschaftlichen Flächen und sonstigen Nutzungen in der Aue den erforderlichen Schutz sichert.
Der geplante Trassenverlauf der Schutzanlagen (Deichrückverlegung) folgt den Ergebnissen der hydrodynamisch-numerischen Abflussmodellierung unter Beachtung landespolitischer ökologischer Vorgaben.



